Ich bin nicht einsam, ich bin nur gerne mal alleine und das ist gut so!!!

Ein widersprüchlicher Satz? Einige werden den Kopf schütteln andere nicken und ich behaupte ihr habt alle recht.

Ziemlich genau vor zwei Jahren steckte ich voll in einer schweren Depression. In den vergangenen zwei Jahren ist viel gutes passiert und das magische Wort heißt:

ACHTSAMKEIT!!!


Eine kurze Erklärung für die, die nicht wissen was ich meine:

Durch die Depression verliert man so ziemlich alles, seinen Antrieb, seinen Mut, seine Freude und man achtet nicht mehr auf sich und gibt sich im schlimmsten Fall selber auf. Man muss neu lernen auf sich zu achten. Man muss wieder herausfinden, was gut für einen ist, da man das Gefühl hat, alles ist schlecht. Das gelingt und sollte zu einem ständigen Prozess der Achtsamkeit für sich selber werden. Gesunde Menschen machen das von ganz alleine, und brauchen sich darüber keine Gedanken machen.


In all den Gruppensitzungen der Klinik oder in der Reha ging es um das Miteinander, in Gruppengesprächen oder Gruppenaufgaben. In einem Wir kann man auch wieder zu einem Ich finden oder auch gefunden werden. Man (und Frau) wird Teil von einem Größeren. Aber glaubt mir, es ist schwerer als es sich anhört und dies Gemeinschaft unterscheidet sich sehr von der da DRAUSSEN. Hier lebt und spricht man mit Betroffenen in einem Umfeld, wo man sein kann wie man ist. Mit all seinen Ängsten, Sorgen, Nöten, Fragen und Wünschen. Niemand kannte mein altes Ich, nur das Jetzt und Hier.

Aber es kommt eine Zeit nach diesem schützendem Rahmen und den alten Rollen, Erwartungen, Grenzen usw.

Als braver Patient nahm ich natürlich all die guten Ratschläge an 😉 und war bemühte mich wieder in die Welt zu integrieren. Mal wieder ins Kino oder in die Discothek gehen, Freunde besuche und einen schönen gemeinsamen Abend verbringen oder sie bei sich einzuladen usw. (Ihr wisst was ich meine)

Hat aber nicht funktioniert und prompt schlichen sich bei mir komische Gedanken ein und machten mir ein schlechtes Gewissen.

Ich muss doch wieder unter Menschen, um nicht wieder ein ein Loch zu fallen.Was stimmt nicht mit mir.

Es wurde immer lauter in meinem Kopf und ich fragte mich was hält mich ab? Zu meinem Glück, brachte der Lockdown für mich die benötigte Stille. Es stellte sich nicht mehr die Frage nach Kino, Disco oder gegenseitigen Besuchen und ohne diesen Druck merkte ich erst, was mir Druck machte.

Es war nicht das Bedürfnis etwas zu machen, sondern der Gedanke etwas machen zu müssen. Ich stellte fest, ich bin nicht Einsam, ich bin nur gerne mal Alleine und das ist gut so. Aber Alleine sein wird oft mit Einsamkeit gleichgesetzt.

Wenn ich mit diesem Wissen, mein bisheriges Leben betrachte, verstehe ich viele Dinge besser. Ich ging sehr ungern mit Freunden in die Disco. Es lag nicht an den Freunden, ich machte mir schon vor dem Besuch Gedanken, ob ich auch gehen kann wann möchte und setzte mich dadurch schon unter Druck.

Ich brauchte schon immer Raum und auch Zeit für mich. Je größer etwas wird, um so schneller ziehe ich mich zurück. Früher viel es mir einfacher auch den anderen Weg zu gehen. Jetzt lerne ich, das das ein wesentlicher Teil von mir ist, der nun auch einen ganz anderen Raum braucht, damit es mir Gut gehen kann.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, Alleine könnten wir nicht wirklich überleben. Dabei liegt es nicht nur an Wasser und Nahrung, sondern wir brauchen Nähe und soziale Interaktion wie die Luft zum atmen. Aber wie viel mir davon gut tut entscheide ich, zu viel kann genauso schaden wie zu wenig. Da nach einer Depression ein anders Leben beginnt und nicht ein Neues, beginnt man mit den Erfahrungen der Vergangenheit, um für die Zukunft zu lernen.

Dieser Beitrag auf Youtube brachte mich einen großen Schritt weiter.

Schaut selber: https://youtu.be/OGQkHH5rsSw

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